BVV Mitte stimmt für den Verbleib von Stadtbärin "Schnute" im Köllnischen Park

© Verein Berliner Bärenfreunde e.V.
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Die klare Mehrheit der Bezirsverordneten in Berlin-Mitte hat sich dafür ausgesprochen, dass die Berliner Bärenoma "Schnute" (33 Jahre) auch weiterhin in ihrer Unterkunft am Köllnischen Park verbleiben kann. Die CDU-Fraktion unterstützt diesen BVV-Beschluss und beruft sich in ihrer Entscheidung u.a. auf die Stellungnahme dreier Bärenexperten von Oktober 2013. Wir hoffen mit der jüngsten Entscheidung - im Sinne der Bärin - nunmehr den Abschluss eines langfristigen Diskussionsprozesses erreicht zu haben.


Verbesserung der Haltungsbedingungen nun umsetzen

Die CDU-Fraktion erkennt an, dass die Haltungsbedingungen am Köllnischen Park für zwei Bären als nicht mehr zeitgemäß zu bezeichnen waren. Wir unterstreichen in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Stellungnahme des beauftragten amtlichen Tierarztes (Drs. Nr. 0617/IV, Dezember 2012), nach dem die Diskussion um die Haltungsbedingungen der Bären als „sinnvoll und notwendig“ anzusehen sei, sie jedoch „im Hinblick auf die Transportfähigkeit der Tiere an ihre Grenzen“ stoße. Wie der Tierarzt weiter ausführt, gelte für den bestehenden „Bärenzwinger Am Köllnischen Park [grundsätzlich] Bestandsschutz. Gutachten sind wie Leitlinien keine Rechtsnormen und daher nicht rechtsverbindlich. Sie sind Orientierungs- und Auslegungshilfe bei der Anwendung der einschlägigen Vorschriften des Tierschutzgesetzes“.

Die CDU-Fraktion begrüßt deshalb die geplanten Umbaumaßnahmen im Gehege und weist darauf hin, dass die bestehende Bärenanlage am Köllnischen Park - entgegen eines häufig vorgebrachten Vorwurfs - „im Wesentlichen dem ‚Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren’ definierten Vorgaben“ entspricht. Das angesprochene Gutachten ist über das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft zu beziehen.


Entscheidung für oder gegen Stadtbärin "Schnute" ist keine finanzielle Frage

Die Finanzierung der Berliner Bezirke erfolgt im Ergebnis eines Budgetierungsverfahrens durch die Zuweisung von Globalsummen. Durch die Abgabe der Stadtbärin würden sich für den Bezirk Mitte weder am Budgetergebnis noch an seiner Zuweisung signifikante Änderungen ergeben (Drs. Nr. 0617/IV, Dezember 2012). Einzig im Bereich der Sachkosten wäre ein geringfügiger Kostenrückgang zu erwarten (z.B. Futterkosten mit 4.000 bis 7.000 Euro pro Jahr sowie tiermedizinische Betreuung mit 500 bis 800 Euro Euro pro Jahr), was angesichts eines bezirklichen Haushaltsvolumens 2014 in Höhe von mehr als 840 Mio. Euro nicht ins Gewicht fällt.

Die in einer Kleinen Anfrage bezifferten Kosten in Höhe von 91.000 Euro beinhalten Personalkosten (ca. 56.000 Euro pro Jahr) und Grundstückskosten (ca. 27.000 Euro pro Jahr), die bei einer Abgabe der Stadtbärin nicht einfach für den Bezirk entfallen (KA Nr. 0255/IV, September 2012).


Entscheidung der BVV Mitte als Abschluss eines langfristigen Diskussionsprozesses

Bereits im Dezember 2012 hatte die BVV Mitte das Bezirksamt ersucht (Drs. Nr. 0632/IV), mögliche Übernahmeoptionen für die (damals noch) zwei Braunbärinnen im Köllnischen Park, "Maxi" und "Schnute", zeitnah zu prüfen.

Im Januar 2013 teilte das Bezirksamt mit, dass die erforderliche tierärztliche Begutachtung, ob z.B. eine Narkotisierung möglich sei und/oder ein Käfigtraining erfolgen müsste, erst nach Beendigung der Winterruhe im März 2013 möglich sei.

August 2013 - dringende Empfehlung „Bären nicht umzusiedeln


In einer Vorlage zur Kenntnisnahme vom August 2013 berichtete das Bezirksamt Mitte, dass vier beauftragte Sachverständige „zur einvernehmlichen Meinung und dringenden Empfehlung [kommen], die Bären nicht an einen anderen Ort umzusiedeln“. Als Gründe führten die Sachverständigen an, dass die Bären auch in Anbetracht ihres Alters nicht transportfähig seien und durch einen Verbleib im Gehege am Köllnischen Park keinem Narkoserisiko ausgesetzt wären. Ebenfalls „ausgeschlossen wäre das Verletzungsrisiko und die durch den Transport verbundene extreme Stressbelastung beider Bären“.

Die Bärenexperten hatten laut Vorlage zur Kenntnisnahme in ihrer Empfehlung zudem „eine tiergerechte und bauliche Umgestaltung des Bärenzwingers“, die u.a. eine „deutliche Vergrößerung der Nutzfläche durch Integration des Wassergrabens und eine Überarbeitung des Badebereiches“ angeregt. Das Bezirksamt Mitte hatte die Umbaukosten auf 15.000 Euro geschätzt und mitgeteilt, dass sich die Stiftung für Tierschutz – Vier Pfoten – durch „inhaltliche Beratung und fachliche Unterstützung sowie ggf. auch finanziell beteiligen“ wolle.

Oktober 2013 – Restrisiko einer Umsiedlung sei „nicht bewertbar

Im Oktober 2013, und damit nach dem Ableben der Bärentochter "Maxi", veröffentlichte das Bezirksamt in einer Vorlage zur Kenntnisnahme an die BVV Mitte das Ergebnis einer erneuten Prüfung der Transportfähigkeit der verbleibenden Bärenmutter Schnute bzw. der geeigneten Verbesserungen in der bisherigen Anlage bei deren Verbleib am Köllnischen Park.

Drei Sachverständige folgerten demnach aus einer Begutachtung, dass sich die Bärenmutter „in ihrem Verhalten unverändert bei voll erhaltenen Vitalfunktionen“ zeige, die zudem die gesamte Anlage nutze. Die Sachverständigen regten eine eingehende tierärztliche Untersuchung an, die jedoch nur unter Narkose möglich sei – das Narkoserisiko „der alten Bärin [sei] nach wie vor hoch“.

Die Sachverständigen bescheinigten der Bärin zudem einen guten Allgemein- bzw. Gesundheitszustand. Sie sei „sowohl mit ihrer Umgebung als auch mit den sie versorgenden Tierpflegern seit langer Zeit vertraut und könnte bei den angedachten Verbesserungen der Anlage (z.B. Badebecken etc.) in gewohnter Umgebung tierartgerecht verbleiben“.

Wie das Bezirksamt in seiner Vorlage zur Kenntnisnahme mitteilte, seien nach Auffassung der drei Sachverständigen „bei einer Umsiedlung gesundheitsrelevante Stressoren, wie Käfigung ohne Narkose, Verlade- und Transportstress sowie das Einleben in ungewohnter Umgebung nicht auszuschließen“. Das Restrisiko sei „bei einer Umsiedlung somit nicht bewertbar“.

Den Beginn eines möglichen Käfigtrainings für die Bärin bereits in der Zeit der Winterruhe lehnte das Bezirksamt Mitte nach ausdrücklicher Auffassung der bezirklichen Amtstierärzte in einer Antwort auf eine gesonderte Anfrage (Drs. Nr. 1106/IV, Oktober 2013) ausdrücklich ab. Die Bärin sollte in dieser Zeit „keinerlei Störung erfahren, da dies als Stress angesehen werden muss und nachteilige, gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann“. Zudem sei das Training in der Winterzeit technisch nicht möglich, da der „Transportkäfig nicht im Inneren des Bärengeheges, sondern nur auf den Außenflächen aufgestellt werden kann“.


Aus diesen Gründen hält die CDU-Fraktion Mitte den Verbleib von Stadtbärin Schnute auf der bisherigen Anlage am Köllnischen Park nicht nur für angemessen, sondern für zwingend geboten!



Wir empfehlen zu diesem Thema auch einen Blick auf die Internetseite des Vereins "Berliner Bärenfreunde e.V.".



Die in dieser Meldung angsprochenen Drucksachen der BVV Mitte können Sie nachfolgend direkt einsehen bzw. herunterladen.


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